Sex sells – auch online

SEX SELLS: DEN PREIS ZAHLEN DIE FRAUEN

Als Model Geld zu verdienen, wünschen sich viele Kolumbianerinnen, gerade aus ärmeren Bevölkerungsschichten. Die Realität sieht meist anders aus als die, die sie sich vorstellen. Als virtuelle Erotikmodels arbeiten sie vor einem Live-Publikum im Internet. 

Der Verkauf von Sex und die sexuelle Ausbeutung von Mädchen und jungen Frauen ist in Kolumbien weit verbreitet. Einer der Gründe dafür ist die hohe Armutsrate, von der gerade westliche Sextouristen gezielt profitieren. 

Verlagerung ins Netz

Die Pandemie begünstigte eine neue Form des Geschäfts mit Sex: Webcam-Models, die allermeisten davon Frauen. Gemäss einer Recherche der BBC von April 2025 besuchen pro Monat etwa 1.3 Milliarden Menschen Sexcam-Plattfornen – eine gigantische Industrie. Kolumbien gehört zu den grössten Anbietern mit geschätzt einer halben Million Models. Ihre Kunden sitzen meist in den USA oder Europa.

Das Geschäftsmodell: Erotikinhalte werden live im Internet gestreamt. Im Gegensatz zu Pornovideos finden dabei Interaktionen zwischen Model und Zuschauer via Chat statt. In den grossen und kleinen Studios arbeiten Frauen, die daheim keine Privatsphäre haben oder denen die eigene Ausrüstung fehlt. Andere streamen, wo auch immer die Kundenwünsche sie haben möchten. Gemäss BBC-Recherche kann dies sogar in der Toilette der Schule sein. 

Keiny im Bericht der BBC begann mit 17 als Erotikmodel (Bild: BBC)

Viele verdienen mit

Je mehr User zuschauen und Trinkgeld geben, desto besser. Die Studios und Plattformen, die solche Streamings anbieten, behalten den grössten Teil der Einnahmen für sich. Nur ein Teil fliesst an die Models zurück. Doch diese Einnahmen können immer noch einiges höher sein als in einem normalen Job.

Sexcam-Studios schrecken nicht davor zurück, junge Mädchen direkt vor der Schule zu rekrutieren. Minderjährig? Egal, das wird mit einem falschen Profil einfach vertuscht. Unter dem Vorwand einer Modelkarriere werden Mädchen und junge Frauen angelockt. Weil sie das Geld dringend brauchen, bleiben sie dabei, oft trotz schlimmer Arbeitsbedingungen. Andere Frauen – beispielsweise Studentinnen oder alleinerziehende Mütter – suchen diese Verdienstmöglichkeit ganz gezielt und bauen sich Schritt für Schritt einen Kundenstamm auf, um ihren Lebensunterhalt und den der Familie zu bestreiten. 

Illegal, aber immer professioneller

Die illegale Sexcam-Industrie wird laufend professioneller. In Kolumbien finden sogar Messen statt, wo die Anbieter von technischer Ausrüstung, Plattformen, Coachings, Sexspielzeug etc. sich präsentieren. Das Business ist kompetitiv und das Geld muss hart verdient werden. Physische und psychische Gesundheit der Frauen stehen dabei auf dem Spiel.  

Was die Stiftung Presencia leisten kann:

Das Team der Stiftung Presencia in Medellín arbeitet nicht spezifisch zum Thema Sexcams oder Sexarbeit. Aber sie unterstützt und stärkt ihre Begünstigten auf vielen Ebenen:

Präventionsarbeit

  • Selbstvertrauen stärken
  • Strategien zur Krisenbewältigung
  • Lernen, sich selbst wertzuschätzen und einen guten Umgang mit den eigenen Lebensumständen zu finden.
  • Verstehen, wie wichtig es ist, sich Ziele zu setzen, diese zu verfolgen, eine Ausbildung zu machen und eine Zukunftsvision zu entwickeln.

Individuelle Betreuung

  • Gespräche und enge Begleitung der Kinder und Jugendlichen.
  • Nähe und Geborgenheit geben und so Vertrauen aufbauen.
  • Beobachtung und Kontrolle, damit Probleme erkannt und angesprochen werden.

 

Quellen für diesen Artikel:

Seit über 40 Jahren verbessern wir die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen in Kolumbien.

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